Thomas Koch

CMD – Cranio Mandibuläre Dysfunktion

Kopf- und Rückenschmerzen finden oft ihren Ursprung im Kiefergelenk


Kopfschmerzen. Nicht weniger als 70 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet in unterschiedlich starker Ausprägung an chronisch oder akuten Beschwerden. Oft hält dieser Zustand über Jahre an, weil keine organische Ursache gefunden wird. Viele Patienten durchleben derweil eine Odyssee von Arzt zu Arzt, ohne dadurch eine dauerhafte Linderung ihrer Beschwerden zu erhalten. 

Grund für die Beschwerden ist in vielen Fällen eine Störung im Kiefergelenk (CMD). Neben Kopf-, Nacken- und Rückenproblemen sind Zähneknischen bzw. -pressen, Zahnabrieb, Migräne, Tinnitus, Ohrenschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder Schwindel bekannte Begleiterscheinungen einer CMD. Ursächlich ist aber nicht immer das Kauorgan. Kau- und Rückenmuskulatur sind nämlich eng miteinander verschaltet und nehmen gegenseitig Einfluss. Beim Kauen wird nicht nur der Kiefer bewegt, sondern auch Kopf, Hals, Rücken und sogar Arme und Beine. Ist das System gestört, kommt es zu ständigen Muskelanspannungen, die Auswirkungen auf unterschiedliche Körperregionen haben können. Belastungen können dabei in auf- oder absteigende Richtung auftreten. So können Störungen in der Rücken- und Nackenmuskulatur (Beckenschiefstand, Bandscheibenprobleme etc.) eine Fehlstellung des Kiefergelenks verursachen (aufsteigende Belastung). Umgekehrt kann sich eine Erkrankung des Kauorgans aber auch auf den übrigen Organismus auswirken (absteigende Belastung). Nicht selten wirken belastende Lebensbedingungen als ein zusätzlicher Verstärker.

Für eine zielführende Diagnostik und die anschließende Behandlung einer CMD ist ein interdisziplinär erarbeitetes Therapiekonzept zwingend erforderlich. Hierbei arbeiten Ärzte und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen Hand in Hand zusammen.

CMD Funktionsdiagnostik

Zähne und Kiefergelenk – Eine Analyse des Zusammenspiels


Nur durch spezielle Untersuchungsmethoden kann die Funktion eines Kiefergelenks erfolgen und die Schwere einer möglichen Kiefergelenkserkrankung ermittelt werden.

Die sogenannte klinische Funktionsanalyse umfasst die Untersuchung der Muskeln, die Bewegungsuntersuchung der Kiefergelenke und die Ermittlung der Ausrichtung der Zähne zueinander. Sie wird ergänzt durch die instrumentelle Funktionsanalyse. Hierbei werden mit Hilfe moderner Messgeräte die Gelenkposition und Bewegungsbahnen des Unterkiefers sowie die Stellung der Zähne zueinander exakt aufgezeichnet. Die so ermittelten Messwerte werden anschließend in einen Artikulator übertragen. Dies ist ein Kausimulator, mit dem der Kiefer des Patienten nach außen verlagert wird. So lassen sich die Kaubewegungen realitätsnah und systematisch nachvollziehen. Im Modell wird analysiert, welche Faktoren die Funktionsstörung in welchem Maße verursachen und welche Störkontakte die Gelenkstellung beeinflussen. Die Lage von Zähnen und Kiefer zueinander kann dabei beliebig verändert werden, bis die optimale Situation erreicht ist.

Diese so gewonnenen Daten bilden die Basis eines individuellen Behandlungsplans. Im Anschluss ist die Kompetenz diverser Fachärzte und Therapeuten gefragt, dich sich in enger Abstimmung im Rahmen des Therapiekonzepts als Netzwerk verbinden.

CMD Therapie im Netzwerk

Viele Fachbereiche, ein Ziel: Ihre Beschwerdefreiheit!


Die Beschwerdefreiheit eines Patienten mit CMD zu erreichen, ist nur unter Einbindung zahlreicher medizinischer Disziplinen möglich. Zum interdisziplinären Netzwerk zählen Zahnärzte, Orthopäden und Physiotherapeuten, im Bedarfsfall jedoch auch Allgemeinmediziner, Ärzte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Radiologen, Kieferchirurgen, Hals-Nasen-Ohrenärzte sowie Schmerztherapeuten. Alle beteiligten Therapeuten haben sich auf das Thema CMD spezialisiert und eine fachorientierte Ausbildung abgeschlossen. Bei jedem Patienten, der sich in einer der Netzwerkpraxen vorstellt und die Symptome der Cranio Mandibulären Dysfunktion aufweist, wird abgeklärt, ob einer weitere Diagnostik und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sinnvoll ist. Häufig ist es notwendig, dass die beteiligten Ärzte den Patientenfall auf „Fallkonferenzen“ gemeinsam besprechen und eine genau aufeinander abgestimmte Therapieplanung erarbeiten.

Dabei sind verschiedene Szenarien möglich: Mal beginnt die Behandlung beispielsweise beim Orthopäden oder Physiotherapeuten, bevor sie später beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden fortgesetzt wird. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich. Ein solches ineinandergreifendes Behandlungskonzept trägt entscheidend zum Erfolg der Therapie bei.

CMD Prävention

Je früher, desto besser!


Der Prävention der CMD kommt eine große Bedeutung zu, denn nur in jungen Jahren besteht die Chance, die Entstehung der Krankheit zu verhindern oder rechtzeitig positiv darauf einzuwirken. Dazu ist es wichtig, Zeichen und Symptome einer CMD so früh wie möglich zu erkennen. Erste Zeichen sind oftmals Symmetriestörungen, die aber meist erst dann beachtet werden, wenn sie als ästhetisch beeinträchtigend empfunden werden – also viel zu spät.

Viele dieser Störungen haben jedoch eine frühkindliche Ursache: Beispielsweise eine leicht schiefe Kopfhaltung, einen einseitigen Schulterhochstand, einen Beckenschiefstand oder nicht exakt passende Kiefermitten. Werden solche Probleme nicht frühzeitig ernst genommen, kommt es in der Folge zu einer funktionell instabilen Situation des gesamten Bewegungsapparates, die chronische Beschwerden nach sich zieht.

Gerade bei Kindern gilt, dass sich der Erfolg umso schneller einstellt, je eher die Behandlung beginnt. Allerdings kann kein Arzt alleine die richtige Diagnose stellen oder alleine therapieren. Ein funktionelles Optimum ist nur im Therapeuten-Netzwerk zu erreichen, zu dem neben Kieferorthopäden unter anderem Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen, Kinderärzte sowie Zahnärzte gehören. Aufgabe der modernen Kieferorthopädie in diesem Netzwerk ist es, mit auf das Alter des Kindes abgestimmten Behandlungsmethoden bissbedingte Funktionsstörungen zu verhindern bzw. rechtzeitig zu therapieren. Bei einer Seitenverschiebung des Kiefer, die zu einer Überlastung des Kiefergelenks und damit zu Kopf- oder Rückenschmerzen führt, lässt sich beispielsweise mit einem Bionator bzw. Aktivator die Symmetrie ganz einfach und für das Kind nicht belastend wieder herstellen.